Schneeschuhhasen im Glas (UA)

von Charlotte Luise Fechner

Reproduktionsmedizinischer (Bühnen)Versuch in 5 Phasen

Regie: Andrea Bleikamp
Ausstattung: Claus Stump
Dramaturgie: Rosi Ulrich
Darsteller: Sandra Kouba, Tomasso Tessitori , Betty Blaeser
Lichtdesign: Boris Kahnert
Grafik: Martin Forsbach
Assistenz: Lena Lüken
P+Ö: Mechtild Tellmann Kulturmanagement

Nominiert für den Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis 2012.

„Eine tolle Produktion, die frischen Wind in Kölns Freie Szene bringt.“
„...ein funkelndes Spektakel...“
„Ihr dreiköpfiges Ensembles präsentiert sich als Siegerteam“
„...ja, einer der humorvollsten Auftritte der Freien Szene in diesem Jahr überhaupt.“ (Thomas Linden, KöRu, 07/2012)

"...überzeugt durch seine Darsteller und die Mischung von tabuloser Oberflächlichkeit mit subtilem Tiefgang." (AKT, 05/2012)

1978 erblickte zum ersten Mal ein humanes Retortenkind das Licht der Welt. Was man damals noch für ein Wunder hielt, gehört heute zum Alltag: seither sind 3,7 Millionen – das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Melbournes –  durch künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibs gezeugte Kinder dazugekommen. Und jährlich werden es ungefähr 200.000 mehr. Tendenz steigend. Eine Erfolgsgeschichte?
2010 erhielt der „Vater“ jenes ersten Kindes – ein Mädchen – den Nobelpreis für Medizin; am 7. Juli 2011 hat der Bundestag über die Gesetzesregelung zur Präimplantationsdiagnostik entschieden und diese eingeschränkt zugelassen: bislang war Deutschland eines von nur drei europäischen Ländern, in denen diese nicht zugelassen.

Sie, die „gemacht worden“ ist, unternimmt einen gewagten Versuch: Weil ihr bester Freund Alex ihr kein Sperma abgeben und ihre Gynäkologin ihr weder Eier entnehmen noch isolieren wollte, hat sie erst Papas Kreditkarte geklaut und sich dann ihre ‚Zutaten’ im Internet bestellt, um herauszufinden, „wie das so geht, wo man herkommt, wie sich das so anfühlt und das so aussieht im Glas und bei der Teilung
und wenn dann Meiose stattfindet“...

Anmerkung:
SCHNEESCHUHHASEN IM GLAS wurde im Februar 2011 mit dem  Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis der Stadt Duisburg ausgezeichnet.

Begründung der Jury (Auszug): „Vor dem Hintergrund der aberwitzigen Ausgangssituation gelingt der Autorin ein quasi philosophisches Essay über Leben und Herrschaft, Schöpfung und Demut, aber auch über Bildungsinhalte und Funktion von Schule. Die Sprache ist kunstvoll gesetzt und unterstreicht fortwährend die hintersinnige Bedeutung der scheinbar leicht daher geplapperten Worte durch Auslassungen. Dadurch entsteht ein monologischer Mega-Satz über die großen Fragen der Zeit, der sich auch vor ratlosen Pausen nicht scheut, eine Ratlosigkeit, die sich übertragen und fruchtbare Diskussionen im Publikum anregen kann.“