„breath“ beckett/artaud

Was vom Atem übrig bleibt

Wehrtheater zeigt in der Studiobühne eine anregende Inszenierung von Becketts Theaterminiatur "Breath".

"Breath" - auf Deutsch "Atem" - ist mit einer Länge von 35 Sekunden das kürzeste Theaterstück Samuel Becketts. Aber wohl kaum sein bestes: Weil ein Haufen Müll, Lichteffekte sowie Schreie, die Geburt und Tod symbolisieren, eine reichlich pathetische Beschreibung menschlicher Existenz ergeben. Für Becketts Humor fehlt es schlicht an Zeit.

Schon mal gut also, dass das Wehrtheater das Stück auf immerhin knapp 30 Minuten aufgeblasen hat. Allerdings ausgerechnet mit Hilfe einiger Texte von Antonin Artaud, dessen "Theater der Grausamkeit" von allem zivilisatorischen Zuckerguss befreit die reine Essenz des Lebens bieten sollte: nihilistisches Pathos und künstlerischer Extremismus in Reinkultur.

Doch Regisseurin Andrea Bleikamp hat den frisch geborenen Artaud-Adepten (Heinrich Baumgartner), der in Windeln umständlich über das korrekte kataraktische Lungenatmen doziert, unter die Beobachtung einer süffisant lächelnden Krankenschwester (Celina Engelbrecht) gestellt.

Die ist mit High Heels, Netzstrümpfen und offener Bluse auch noch ziemlich sexy. Da prallen Welten aufeinander, das kann nicht gutgehen. Aber bis zum wieder Beckett-konformen Ende passiert Überaschendes irgendwo im Grenzbereich zwischen Performance, Drama und Komödie.

Eine anregende, beziehungsreiche halbe Stunde über das Verhältnis von Theater und Wirklichkeit, Männern und Frauen, Existenzialismus und Ingrid Steeger.
(Kölnische Rundschau)